Einführung
(Hintergründe zur Novelle Reifezeit)
Ausgangspunkt für „Reifezeit“ war für mich das Gemeinschaftsprojekt mit dem geschätzten Autor Alexander, das mich in der Folge weiter in die Gedankenwelt der religiös konnotierten „Domestic Discipline“ hat vordringen lassen.
Um es gleich vorwegzustellen wird hier ausschließlich die einvernehmliche Spielart der „Domestic Discipline“ adressiert, bei der es um den Lustgewinn aller Beteiligter geht.
Bei der Beschäftigung mit den Hintergründen dieser Gedankenwelt bin ich auch in das geschichtliche Umfeld der frühen christlichen Gemeinden eingetaucht. Das Studium der Quellen, die von den offiziellen Glaubensauslegungen unabhängig sind, ergab dabei ein deutlich vielschichtigeres Bild, als uns dies in unserer abendländischen Tradition üblicherweise dargestellt wird.
Die Zeit vor 2000 Jahren war eine Zeit gesellschaftlicher und religiöser Umbrüche, die sich in einer Vielfalt unterschiedlicher religiöser Gemeinschaften und Sekten manifestierten, bei welchen sich unterschiedlichste Elemente griechischer, römischer, jüdischer bis hin zu babylonischer Herkunft mischten.
Gleichzeitig ist auch ein gesellschaftlicher Aufbruch in der Form der Abwendung von damals etablierten Gesellschafts- und Moralvorstellungen und eine offene Rebellion gegen diese zu erkennen.
Dabei sprechen die Quellen von einem großen Spektrum unterschiedlicher Ausprägungen, von Askese und Spiritualität über Leidenschaft und Sinnlichkeit bis hin zu erotisch konnotierter Ekstase.
In der teilweise erbitterten Gegnerschaft zwischen Anhängern dieser unterschiedlichen Ausrichtungen und den althergebrachten religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen, wurden viele Gruppierungen von ihren Widersachern ausgerottet, also schlicht umgebracht.
Davon waren in besonderem Maße die sehr freizügigen und toleranten Gemeinschaften betroffen, die durch ihre freiheitliche Auslegung der religiösen Normen und ihrer libertinären Gesellschaftsauffassung eine Gefahr für Obrigkeiten und Autoritäten jeder Art darstellten.
Im Zuge ihrer Ausrottung, gingen im großen Maße auch deren schriftlichen Zeugnisse verloren, so dass häufig nur indirekte Hinweise auf diese Gemeinschaften existieren. Da diese überwiegend von ihren Gegnern stammen wurden diese Gedankenwelten entsprechend negativ dargestellt.
Existierende Berichte stammen hauptsächlich von Kirchenvätern wie Epiphanius von Salamis oder Irenäus von Lyon, die entsprechende Gruppierungen natürlich als häretisch verdammten.
Beispiele solcher frühen, lange verschwundenen, Gemeinschaften sind die Borboriten (auch Phibioniten oder Barbelo-Gnostiker genannt), Phiten, Sethianer, Simonianer, Nikolaiten und weitere gnostische Sekten im 2.–4. Jahrhundert n. Chr., die unter anderem auch rituelle oder libertinäre sexuelle Praktiken pflegten.
Sex wurde oft als Weg zur spirituellen Befreiung, zur Vereinigung mit dem Göttlichen oder zur Umkehrung archontischer (weltlicher) Gesetze angesehen, und ihre Anhänger waren daher den damaligen Herrschern nicht nur im römischen Reich zutiefst verhasst.
Es ist erstaunlich dabei zu sehen, dass wie bei den Karpokratianern (2. Jh. n. Chr., Ägypten), Elemente, wie die Ablehnung privaten Eigentums und sexueller Monogamie, und auch das Praktizierten "freier Liebe" unter der Vorstellung gepflegt wurden, die "Seelen" von irdischen Bindungen zu befreien.
Frauen wurden als gleichberechtigt gesehen, was in den vorherrschend patriarchalischen Gesellschaften der damaligen Zeit als offener Affront betrachtet wurde.
Beispielhaft und ausgehend von dem fiktiven „Brief des Zachäus“, entstand die Idee, diesen, schon einmal in der Menschheitsgeschichte entstandenen, Gedanken in unserer heutigen Zeit Raum zu geben. Eine Zeit, die wie vor 2000 Jahren, ebenfalls von gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen gekennzeichnet ist.
Gehen wir also auf eine Lesereise, in der die Sinnenlust nicht zu kurz kommen wird, die sich aber ansonsten recht deutlich von dem unterscheidet, was üblicherweise im Genre der „Spanking-Geschichten“ zu lesen ist.
Dabei wünsche ich viel Vergnügen
Euer Libertineros
PS: Wie immer bin ich als Autor, der sich die Mühe gemacht hat all dies zu erdenken, aufzuschreiben und kostenlos seinen Lesern zur Verfügung zu stellen, dankbar über jede Form von Rückmeldung, die auch gerne anonym erfolgen kann.
Libertineros August 2026
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Kommentare
Wow, allein die Einleitung gefällt mir sehr sehr gut.
Richtig toll und verständlich geschrieben. Zufällig suche ich auch etwas zu diesen Thema und bin schon ganz gespannt darauf.
Viel Spaß beim schreiben und ich werde es sicherlich mit Genuß lesen.
Dankeschön.